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Pillar · Heizungstausch Kommune

Heizungstausch in der Kommune

Für Bauamt, Hochbau, Klimaschutz und Kämmerei.

Eine kommunale Heizung am Lebensende ist eine Pflicht- und Förderentscheidung zugleich — GEG § 72, 65-%-EE-Vorgabe und der Bezug zur Wärmeplanung entscheiden, welche Technik trägt und welche Förderung greift. Bundesweit, mit Schwerpunkt Baden-Württemberg und Bayern.

GEG § 72 gilt für jede Kommunengröße · BEG-Förderung für die neue Anlage · Wärmeplan-Bezug vor jeder Beauftragung prüfen

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Die Pflicht zuerst: GEG § 71, § 72 und die 65-%-EE-Vorgabe

Stand 28.07.2026: Das GModG ist am 28.07.2026 im Bundesgesetzblatt verkündet worden. Zum 29.07.2026 entfallen § 71 (65-%-EE-Vorgabe) und § 72 (Kessel-Betriebsverbot) — die Heizungswahl wird technologieoffen, ab 2029 mit steigenden Anteilen klimaneutraler Brennstoffe bei neuen Gas- und Ölheizungen. Die folgende GEG-Darstellung beschreibt das bis zum 28.07.2026 geltende Alt-Recht.

Der häufigste Fehler beim kommunalen Heizungstausch ist, ihn wie eine reine Beschaffung zu behandeln. Er ist zuerst eine Pflichtentscheidung:

Wichtig für die Größenklasse: Diese Regeln gelten unabhängig von der Einwohnerzahl. Gerade kleinere Kommunen haben oft mehrere alte Anlagen gleichzeitig am Lebensende — die Pflicht trifft den ganzen Bestand, nicht nur die Großstadt.

Die neue Rechtslage nach dem GModG — technologieoffen, mit Brennstoff-Treppe

Mit dem Inkrafttreten des GModG-Kerns am 29.07.2026 dreht sich die Logik des Heizungstauschs (alle Angaben nach der am 28.07.2026 verkündeten Fassung):

Für die Kämmerei heißt das: Aus der Pflicht-Frage wird eine Vollkosten-Frage. Die fossile Anlage bleibt erlaubt, aber die Brennstoff-Treppe macht ihren Betrieb über die Laufzeit planbar teurer — biogene Brennstoffe und Wasserstoff-Derivate kosten deutlich mehr als Erdgas oder Heizöl. Der belastbare Vergleich (Wärmepumpe, Gebäudenetz oder Wärmenetz-Anschluss, fossile Anlage plus Quote) gehört mit Investition, Förderquote und Brennstoffkosten über die Nutzungsdauer in den Sanierungsfahrplan — und die Wärmeplanung bleibt dafür der planerische Kompass, auch wenn ihr regulatorischer Hebel über die Heizungspflicht entfällt.

Der Heizungstausch ist dabei nur eine von mehreren GModG-Pflichten, die auf dieselbe Liegenschaft zulaufen: Für energetisch schwache Nichtwohngebäude kommt ab 2030 zusätzlich die Renovierungsanforderung nach § 40 GModG hinzu — unabhängig von der Heiztechnik. Beide Pflichten gehören deshalb in dieselbe Portfolio-Betrachtung, nicht isoliert je Gewerk geplant.

Erst der Wärmeplan, dann der Kessel — Stranded Assets vermeiden

Die teuerste Fehlentscheidung ist eine neue, eigene Heizung in einer Liegenschaft, die in wenigen Jahren ans Wärmenetz geht. Wer 2026 eine Wärmepumpe in eine Schule einbaut, die laut Wärmeplanung 2029 ans Netz angeschlossen wird, hat ein Stranded Asset im Anlagevermögen.

Deshalb gilt die Reihenfolge:

  1. Wärmeplan-Bezug prüfen — liegt die Liegenschaft in einem voraussichtlichen Wärmenetz- oder Einzelversorgungsgebiet?
  2. Wenn Netz-Gebiet: Hülle sanieren, Bestandsanlage als Übergang laufen lassen oder minimal-invasiv überbrücken — Netzanschluss abwarten.
  3. Wenn Einzelversorgung: die zur Hülle passende EE-Technik wählen und förderoptimal beauftragen.

Welche Technik trägt? — der § 42-Katalog in der Praxis

Es gibt keine pauschal richtige Heizung. Die belastbare Wahl hängt an drei Größen: Vorlauftemperatur, Hüllenzustand und Wärmeplan-Perspektive. Der technologieoffene Katalog des § 42 GModG zählt die zulässigen Optionen auf — zulässig ist aber nicht dasselbe wie tragfähig. Unsere Einschätzung je Option für kommunale Nichtwohngebäude:

Option (§ 42-Katalog) Einschätzung für kommunale Gebäude Worauf zu achten ist
Anschluss Wärme-/Gebäudenetz Erste Wahl bei Netz-Perspektive — mehrere benachbarte Liegenschaften, Wärmeplan-Bezug Wärmeliefer-Konditionen und Netz-Zeitplan vor der Vertragsbindung prüfen
Wärmepumpe (Luft/Sole) Tragfähig bei sanierter oder sanierbarer Hülle und großen Heizflächen (niedrige Vorlauftemperatur) Lastgang und Schallschutz; JAZ ≥ 3,0 als Fördervoraussetzung
Feste Biomasse (Pellets / Holzhackschnitzel) Nur bei lokaler Brennstoff-Verfügbarkeit und Lager-/Logistikfläche; wegen lokaler Emissionen zunehmend in der Diskussion Brennstofflogistik und Feinstaub — Staubgrenzwert ≤ 2,5 mg/m³ ab 01.10.2027 für die BEG-Förderung
Wärmepumpen-Hybrid / Spitzenlast-Ergänzung Sinnvoll bei sehr hoher Spitzenlast (z. B. Schwimmbad) Auslegung und Förderfähigkeit prüfen
Gas-Hybridheizung Übergangs-, keine Ziel-Lösung: die Brennstoff-Treppe des § 43 verteuert den fossilen Anteil planbar — bis zur 60-%-Stufe ab 2040 Vollkosten über die Nutzungsdauer rechnen, nicht die Investition allein
Stromdirektheizung Energetisch in aller Regel nicht sinnvoll — niedrige Investition, hohe Betriebskosten allenfalls für selten genutzte Kleinstflächen
Solarthermie Als alleinige Lösung selten wirtschaftlich Dachflächen besser für die Solarpflicht (§ 106) einplanen — dort zählt PV oder Solarthermie
Wasserstoff- / fluide Biomasse-Heizung Keine belastbare Entscheidungsgrundlage: Verfügbarkeit und Preis der Brennstoffe sind nicht gesichert keine Beschlussvorlage auf angekündigte Brennstoffe stützen
Neue Gas- oder Ölheizung Zulässig, aber mit erheblichem Preisrisiko: § 43 verlangt ab 2029 steigende Anteile biogener bzw. klimaneutraler Brennstoffe — Biomethan kostet heute ein Mehrfaches von Erdgas (Markteinschätzung: rund 15–20 ct/kWh, Stand Juli 2026) Brennstoff-Mehrkosten der § 43-Stufen gehören in die Vollkostenrechnung der Beschlussvorlage

Wichtig für die Lesart: Nach § 42 sind alle genannten Optionen zulässig — die Tabelle ist keine Verbotsliste, sondern unsere Bewertung nach aktuellen Marktbedingungen und Erfahrungen aus realen kommunalen Projekten; sie kann je Gebäude, Standort und Preisentwicklung abweichen (Stand: Juli 2026). Die saubere Auslegung kommt aus einer Anlagenbetrachtung im Rahmen der Energieberatung — nicht aus dem Produktkatalog eines einzelnen Gewerks.

Förderung — den Eigenanteil senken, in der richtigen Reihenfolge

Für die neue Anlage greift die BEG-Einzelmaßnahmen-Förderung — beim Heizungstausch für Kommunen über die KfW (Programm 422, 30 %), nicht über die BAFA (die BAFA trägt im BEG-EM-Schirm die Hülle). Der frühere +5-%-Effizienzbonus für Wärmepumpen ist zum 21.07.2026 entfallen; die Höchstgrenzen der förderfähigen Ausgaben sinken ab dem 01.02.2027 halbjährlich (Stand: Förderrichtlinie BEG EM vom 17.07.2026, in Kraft seit 21.07.2026). Zusätzlich final beschlossen, wirksam ab Quartal 1 2027 (die Richtlinie nennt das Quartal, kein Tagesdatum): Der Wärmepumpen-Grundsatz sinkt auf 15 % — die vollen 30 % gibt es dann nur noch über den neuen Wertschöpfungs-Bonus (+15 pp) für Wärmepumpen mit Ursprung in der EU, was ab sofort in jedes Leistungsverzeichnis gehört; der Austausch einer Anlage mit Inbetriebnahme ab 2008 wird gar nicht mehr bezuschusst; und beim Ersatz älterer Anlagen (vor 2008) zählen pauschal nur noch 25 % der Gesamtkosten als förderfähig. Alles fest in der Richtlinie datierte Schaltpunkte für die Vergabeplanung — wer einen ohnehin anstehenden Tausch plant, stellt den Antrag besser noch 2026. Achtung in Gebieten mit beschlossener Wärmeplanung: Besteht eine kommunale Anschlussentscheidung (Anschluss- und Benutzungszwang) oder eine rechtsverbindliche Anschlusszusage eines Wärmeversorgers binnen drei Jahren, fördert die BEG nur noch den Wärmenetzanschluss, keine Einzelheizung — die Wärmeplan-Lage gehört deshalb vor jeden Heizungs-Antrag geprüft. Im Paket einer Komplettsanierung greift stattdessen KfW 464 (inklusive Worst-Performing-Building-Bonus, wenn die Liegenschaft ein energetisches Sorgenkind ist; ab Quartal 1 2027 gilt auch dort die EU-Ursprungspflicht für Wärmepumpen), dazu Landesprogramme wie Klimaschutz-Plus in Baden-Württemberg.

Entscheidend ist nicht die einzelne Förderquote, sondern der Eigenanteil nach Stapelung — und der Vorhabenbeginn: Wer den Lieferauftrag unterschreibt, bevor der Antrag steht, riskiert die Förderung. Wir bringen die Anträge in die richtige Reihenfolge, bevor die Vergabe nach UVgO/VOB läuft. Details zu Quoten und Fristen im Förder-Überblick für die kommunale Sanierung.

Was der Q1-2027-Schaltpunkt in Euro bedeutet — eine Musterrechnung (Beispielwerte; den belastbaren Eigenanteil für Ihre Liegenschaft rechnen wir im Erstgespräch): Eine Wärmepumpen-Anlage für ein kommunales Gebäude mit 400.000 € förderfähigen Ausgaben erhält bei Antragstellung noch 2026 einen Zuschuss von 120.000 € (30 %) — der Eigenanteil liegt bei 280.000 €. Wird derselbe Antrag ab Quartal 1 2027 gestellt und die Wärmepumpe hat keinen EU-Ursprungs-Nachweis, sinkt der Zuschuss auf 60.000 € (15 %) — der Eigenanteil steigt um 60.000 €. Dazu kommt die Degression der Höchstgrenzen ab dem 01.02.2027 und der komplette Förderausschluss, wenn die Bestandsanlage seit 2008 in Betrieb ist. Das Antragsdatum ist damit eine Haushaltsgröße, keine Formalie (Stand: Förderrichtlinie BEG EM vom 17.07.2026, in Kraft seit 21.07.2026).

Technik-Fristen für das Leistungsverzeichnis — was jetzt in die Ausschreibung gehört

Die Technischen Mindestanforderungen der neuen BEG bringen fest datierte Anforderungen mit, die bei einer Heizungs-Ausschreibung heute berücksichtigt werden müssen, damit die Anlage bei Inbetriebnahme förderfähig ist:

Diese Punkte gehören in die Vergabeunterlagen, bevor die Ausschreibung läuft — eine nachträglich nicht förderkonforme Anlage kostet die komplette Förderung. Wir prüfen das Leistungsverzeichnis im Rahmen der Förderbegleitung mit.

Wie wir den Heizungstausch begleiten

Steht ohnehin eine größere Sanierung an, ist der Heizungstausch meist nur ein Baustein — dann lohnt der Blick auf den Sanierungsfahrplan für kommunale Liegenschaften, der alle Maßnahmen und Förderfenster über den Bestand priorisiert.

Müssen Kommunen ihre Heizungen tauschen?

Es gibt keine pauschale Austauschpflicht für funktionierende Anlagen. Die Pflicht greift beim Austausch oder Neueinbau: Wird eine kommunale Heizung erneuert, galt nach GEG bis zum 28.07.2026 die 65-%-Erneuerbare-Energien-Vorgabe (§ 71); außerdem regelte GEG § 72 Betriebsverbote für sehr alte Konstanttemperatur-Kessel (Stichwort 30-Jahre-Regel) mit Ausnahmen. Wichtig: Mit dem GModG (verkündet am 28.07.2026) entfallen beide Vorgaben zum 29.07.2026 — die Heizungswahl wird technologieoffen, ab 2029 mit steigenden Anteilen klimaneutraler Brennstoffe bei Gas- und Ölheizungen. Vor jeder Beauftragung lohnt die Prüfung, welcher Rechtsstand und welche Übergangsregel für Ihre konkrete Liegenschaft gilt.

Was ändert das GModG beim Heizungstausch in der Kommune?

Drei Dinge (verkündete Fassung vom 28.07.2026; Kern in Kraft ab 29.07.2026): Erstens entfallen die 65-%-EE-Vorgabe (§ 71 GEG) und die Altkessel-Betriebsverbote (§ 72) ersatzlos — die Technikwahl wird frei. Zweitens zählt § 42 GModG die Optionen technologieoffen auf, von der Wärmepumpe über den Wärmenetz-Anschluss bis zur Gas- oder Ölheizung. Drittens kommt für neue fossile Anlagen im Bestand die Brennstoff-Treppe des § 43: ab 2029 mindestens 10 %, ab 2030 15 %, ab 2035 30 %, ab 2040 60 % der Wärme aus biogenen Brennstoffen oder Wasserstoff(-Derivaten). Die Entscheidung verlagert sich damit von der Pflicht zur Vollkostenrechnung über die Nutzungsdauer — genau das rechnet der Sanierungsfahrplan durch.

Was hat der Heizungstausch mit der kommunalen Wärmeplanung zu tun?

Sehr viel. Liegt die Liegenschaft in einem künftigen Wärmenetz-Gebiet der kommunalen Wärmeplanung, wäre eine heute eingebaute eigene Wärmepumpe ein Stranded Asset, sobald der Netzanschluss kommt. Die 65-%-EE-Pflicht ist außerdem an die beschlossene Wärmeplanung gekoppelt: In ausgewiesenen Netz-Gebieten gelten andere Stichtage und Übergangsfristen. Deshalb gehört der Wärmeplan-Bezug vor jede Beauftragung.

Welche Heiztechnik passt für ein kommunales Gebäude?

Das hängt von Vorlauftemperatur, Hüllenzustand und Wärmeplan-Perspektive ab. Wärmepumpe (Luft/Sole) bei sanierter oder sanierbarer Hülle, Pellets/Holzhackschnitzel bei hohem Wärmebedarf und vorhandener Logistik, Anschluss an ein Wärme- oder Gebäudenetz bei mehreren benachbarten Liegenschaften. Die belastbare Antwort liefert eine Anlagenbetrachtung im Rahmen der Energieberatung — nicht der Heizungsbauer-Katalog.

Welche Förderung gibt es für den Heizungstausch in der Kommune?

Für die neue Anlage greift die BEG-Einzelmaßnahmen-Förderung — beim Heizungstausch für Kommunen über die KfW (Programm 422, 30 % — Stand: Förderrichtlinie BEG EM vom 17.07.2026, in Kraft seit 21.07.2026), nicht über die BAFA; die BAFA trägt im BEG-EM-Schirm die Hülle-Maßnahmen. Im Paket einer Komplettsanierung greift stattdessen KfW 464 (inkl. Worst-Performing-Building-Bonus, wenn das Gebäude ein Sorgenkind ist), dazu Landesprogramme wie Klimaschutz-Plus in Baden-Württemberg. Welche Kombination den Eigenanteil minimiert und in welcher Reihenfolge die Anträge laufen, klären wir vor der Vergabe.

Wir haben weder Budget noch Personal für so eine Entscheidung.

Genau dafür ist die Förderbegleitung Teil des Pakets. Wir prüfen Pflicht, Wärmeplan-Bezug und Förderfähigkeit, bringen die Anträge in die richtige Reihenfolge und übernehmen Antrag und Verwendungsnachweis — Ihr Bauamt muss dafür keine zusätzliche Stelle schaffen. Der Eigenanteil sinkt über die Förderquote; die Pflichtaufgabe wird ohne neuen Stellenbedarf erfüllt.

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